| | | | Österreich > Serfaus > Winterwandern |  | SerfausWinterwandern | Ein endloses Muster filigraner Schneestrukturen überzieht den Grat vor uns. Der Sturm der letzten Tage hat ganze Arbeit geleistet, alles ist unter einer meterdicken Schneedecke begraben. Jetzt ist es still geworden. Der Diamant, die Skifahrer und die Lifte liegen hinter uns. Jetzt heißt es eine Spur in den unberührten Schnee legen. Das Licht der tiefstehenden Sonne zaubert lange Schatten auf den weiten Gipfelgrat des Zwölferkopfes. In ruhigen und gleichmäßigen Schritten steigen Katja und Anselm Richtung Gipfel. Ab und zu höre ich ein Lachen, ihre Anspannung weicht einer kribbelnden Freude und tiefen Zufriedenheit. So ist es auf vielen Bergen, wenn sich fast zeitgleich mit dem Erreichen des höchsten Punktes ein unglaubliches Panorama öffnet.
Eigentlich müsste diese Reportage, wie so viele, mit folgendem Satz beginnen: Schneeschuhgehen hat eine lange Tradition in den Bergen über Serfaus, Fiss und Ladis. Das Gegenteil ist der Fall: im gesamten Alpenraum steckt das Schneeschuhgehen noch in den Kinderschuhen. In den weitläufigen Bergen der Samnaungruppe sind für den ideenreichen und erfahrenen Schneeschuhgeher damit wieder viele neue Abenteuer möglich. Allein am Michaelskopf zwischen Madatschen und dem Laustal lassen sich viele Waldwege neu erleben. Ein altes aber gleichzeitig auch irgendwie neues Sportgerät eröffnet ungeahnte Möglichkeiten. Vor allem Nichtskifahrer haben damit endlich die Chance die befestigten Wege zu verlassen, ohne gleich bauchtief im Schnee zu versinken. Schneeschuhgehen ist wie wandeln über Wasser, nur nicht so feucht und vor allem einfacher.
Natürlich werden auch in Serfaus, Fiss und Ladis geführte Schneeschuhwanderungen angeboten. Unter fachkundiger Leitung werden Gehtechniken wie „Duckstep“ und „Linestep“ geübt. Auf den drei markierten Schneeschuhwanderungen um Serfaus, der Alpkopfrunde, Ausserhöhrunde und der Sonnenroute ist man zwischen zwei und vier Stunden unterwegs. Es sei denn, ein ungeplanter Stop in der wunderschön gelegenen und auch im Winter voll bewirtschafteten Rodelhütte bringt den Zeitplan etwas durcheinander. Über Ladis lockt die gemütliche Skihütte im „Weiberkessel“ hungrige Schneeschuhgänger an. Bei Fiss ist die gut markierte und auch für Anfänger bestens geeignete Panoramaroute am beliebtesten.
Irgendwann träumen die meisten von größeren Zielen. Von Gipfeln wie dem Zwölferkopf, dem Brunnenkopf oder dem über 3000 Meter hohen Furgler, die im Winter ohne Schneeschuhe nicht erreichbar wären. Hier kommen auch die Individualisten auf ihre Kosten. Nur wie gesagt: ohne alpine Erfahrung, vor allem bezüglich Lawinengefahr, sollten diese Berge nicht angegangen werden.
Wenn sich dann, wie für Katja und Anselm am Zwölferkopf, ein derart gewaltiges Panorama öffnet, spürt man, dass dieser Moment, diese Tour, jeden Schweißtropfen wert war. An klaren Tagen reicht die Sicht nicht nur in die Lechtaler oder Mieminger Berge, sondern auch bis zur Wildspitze und dem Ortler. Ziele für Generationen, ein alpiner Spielplatz für Erwachsene, nur eben inmitten der Natur.
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